Tusem-Handballer feierten Aufstieg in Essener Irish Pub Drucken E-Mail
08.05.12

Irgendwann war die junge Truppe einfach nicht mehr zu bremsen. „Nie mehr zweite Liga“, sangen die Handballer von Tusem Essen in einem Irish Pub in der Essener Innenstadt, als ihr Aufstieg in die Bundesliga endgültig perfekt war. So wie sie am Sonntagabend feierten, so hatten sie zuvor in der 2. Liga Gas gegeben.

 

Am Freitagabend hatten sie mit dem 36:31 über den VfL Potsdam vorgelegt – und als anschließend die Verfolger DHfK Leipzig (27:33 in Bietigheim) und ThSV Eisenach (22:29 in Rostock) patzten, stand fest: Der Altmeister aus Essen ist in den vier ausstehenden Begegnungen nicht mehr einzuholen. Aber die Rückkehr ins Oberhaus hat bei manch einem im Verein nicht nur reine Freude ausgelöst. Denn der Schritt  von der 2. in die 1. Liga ist riesengroß.
Maik Handschke ist nicht der Typ, der vor irgendetwas Angst hat. Schon als Kreisläufer ging er dorthin, wo’s weh tut. Und jetzt freut er sich auch als Trainer der jüngsten Zweitliga-Mannschaft auf die beste Liga der Welt. Die Essener Fans haben den Tusem längst wiederentdeckt. Von knapp 1500 Besuchern im Vorjahr ist der Zuschauer-Schnitt bei Heimspielen auf über 2000 geklettert.

Die Aussicht, in der nächsten Saison gegen Super-Teams wie den THW Kiel, die SG Flensburg, die Rhein-Neckar-Löwen oder die Berliner Füchse zu spielen, hat dem einen oder anderen im Essener Traditionsverein zunächst allerdings durchaus Bedenken eingeflößt. Vom Aufstieg war zu Beginn der Saison keine Rede.

Tusem Trainer Handschke ist zuversichtlich
Aber dann verlief die Entwicklung der Mannschaft viel schneller als vermutet und geplant.. Trainer Handschke mit der ihm eigenen Zuversicht: „Wir haben die zweitbeste Abwehr der Liga. Wir planen mit einigen Verstärkungen. Meine Mannschaft lernt weiter. Ich denke, dass wir auch in der Bundesliga bestehen können.“

Dabei will der Tusem, als Serien-Meister und mehrfacher Pokalsieger in den 80er- und 90er-Jahren oft „FC Bayern des Handballs“ genannt, an seinem soliden Konzept festhalten. „Wir kaufen keine teuren Stars. Wir setzen auf deutsche Talente“, erläutert Maik Handschke. Die beiden Insolvenzen der letzten Jahre haben bei dem einstigen Krösus des deutschen Handballs Spuren hinterlassen. Finanzielle Abenteuer sind passé.

Ein Beispiel: Eine Verpflichtung von Viktor Szilagyi, der zum Saisonende seinen Wechsel von Flensburg zum Bergischen HC bekannt gegeben hat, stand vor diesem Hintergrund nie zur Debatte. Der österreichische Nationalspieler, ohne Zweifel eine gestandene Bundesliga-Größe und als früherer Tusem-Spieler in Essen noch in guter Erinnerung, passt nicht in die neue Vereinspolitik. Handschke dazu: „Um ihn bezahlen zu können, hätten wir uns von drei anderen Spielern trennen müssen. Kommt nicht in Frage.“

Verstärkungen bei Bundesliga-Aufsteigern erforderlich
Dabei haben Aufsteiger Verstärkungen bitter nötig. Auch in dieser Saison werden alle drei Bundesliga-Neulinge am Saisonende voraussichtlich den Rückweg in die 2. Liga antreten müssen. Zurzeit liegt Eintracht Hildesheim ganz hinten. Auch die davor platzierten TV Hüttenberg und Bergischer HC haben schlechte Karten.

Tusem-Trainer Maik Handschke kann auch das nicht erschrecken. Der alte Fahrplan der Essener sah so aus: In der laufenden Saison wollten sie sich in der neuen, eingleisigen 2. Liga etablieren, anschließend einen Rang unter den ersten Fünf belegen. Der Aufstieg stand laut Plan erst für die Spielzeit 2013/14 auf dem Programm. Bis dahin sind viele Schlüsselspieler vertraglich an den Verein gebunden.

Unter ihnen: Trainersohn Felix Handschke, 21 Jahre junger Linksaußen, zurzeit (noch) gemeinsam mit dem 45 Jahre alten Papa im Essener Stadtteil Rüttenscheid zu Hause. Vater Maik: „Ich sage den jungen Spielern, dass sie die Bundesliga genießen sollen. Auch wenn’s vielleicht hart wird – so viel wie dort kann ein Handballer nirgendwo anders lernen.“