Vorfreude und viel Plaunungsarbeit: Stephan Krebietke zur Lage in Essen Drucken E-Mail
10.05.12
Seit Sonntag ist es offiziell: Der TUSEM wird in die erste Handball-Bundesliga zurückkehren. Der Traditionsverein, der auf drei Deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und drei Europacupgewinne zurückblicken kann, freut sich auf die kommende Saison. Nach zwei Insolvenzen in den vergangenen Jahren hat sich allerdings viel verändert: die Mannschaft, die Halle und nicht zuletzt auch die Führungscrew des Ruhrgebietsklubs. Einer, der maßgeblich dazu beigetragen hat, den TUSEM wieder stark zu machen, ist Stephan Krebietke. Der 40-jährige ehemalige Nationalspieler fungiert mittlerweile als Geschäftsführer des TUSEM und stand dem Pressedienst der HBL in einem Interview Rede und Antwort.

Haben Sie in Essen schon ordentlich gefeiert, als der Aufstieg endgültig feststand?

Krebietke:
Natürlich haben wir diesen besonderen Moment mitgenommen. Das war allerdings ohne Absprache. Unser Aufstieg stand ja erst nach der Niederlage des ThSV Eisenach in Rostock am Sonntag fest. Erst danach haben wir uns alle spontan im Irish Pub in Essen getroffen. Das war überraschenderweise eine Riesenparty, weil der ganze Abend ja nicht im Anschluss an ein Match stattfand.

Es war ohnehin ein kurioser Spieltag am vergangenen Wochenende. Alle Aufstiegsaspiranten ließen Federn.

Krebietke:
Alle bis auf uns. Aber das zeigt mal wieder, dass die 2. Liga kein Spaß mehr ist. Hier geht es in jedem Spiel zur Sache, und du musst immer 100 Prozent geben. Sonst bekommst du Probleme, ein Spiel zu gewinnen. Bei uns ist die eingleisige Liga sehr gut angekommen. Aber wir haben jetzt auch nichts dagegen, künftig eine Etage höher spielen zu dürfen. Wir freuen uns sehr auf die Rückkehr in die 1. Liga.

Ist der TUSEM nach zwei Insolvenzen in den vergangenen Jahren überhaupt bereit für die 1. Liga?


Krebietke: Wir haben uns sportlich qualifiziert, und das nehmen wir gern mit, auch wenn diese Entwicklung eigentlich erst in den kommenden ein oder zwei Jahren geplant war. Aber das zeigt auch, dass sowohl das Team, der Trainer und auch das Umfeld Großes geleistet haben. Sportlich und wirtschaftlich wird das sicher eine große Herausforderung. Aber wir haben in dieser Saison überrascht und wollen das auch in der kommenden Saison tun.

Was muss der TUSEM denn machen, um sich für das Abenteuer 1. Liga zu rüsten?

Krebietke:
Wir wollen uns dieser großen Aufgabe stellen und hoffen auch auf positive Signale aus dem Umfeld. Unsere Strukturen sind modern und sehr gut. Wir müssen einfach so weitermachen, wie wir das in den vergangenen zwei, drei Jahren schon mit Erfolg praktiziert haben. Aktuell gilt es natürlich, die positive Stimmung im Umfeld mitzunehmen. Mit unseren Tugenden Teamgeist, Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit sind wir ein interessanter Botschafter für die Unternehmen in der Region.

Aber Sie werden die Mannschaft doch verstärken müssen.

Krebietke: Aber nur im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir sprechen zur Zeit mit mehreren Kandidaten, können aber noch nichts Konkretes vermelden. Ich gehe aber davon aus, dass in den kommenden Wochen Namen genannt werden können.

Auf welchen Positionen suchen Sie denn?

Krebietke:
Wir suchen einen Torwart, einen Rechtshänder für den Rückraum sowie einen Linkshänder. Grundsätzlich aber wollen wir auf keinen Fall aus unserer Strategie ausbrechen, mit jungen Spielern diese Mannschaft weiterentwickeln zu wollen. Möglicherweise geht das nicht mehr in der Konsequenz, wie wir das in der 2. Liga gemacht haben. Dennoch bleibt eine Voraussetzung elementar: Wir tun uns schwer mit Spielern, die die deutsche Sprache nicht beherrschen. Bis wir sie richtig integriert haben und sie ihre Leistung abrufen können, ist es vielleicht schon zu spät.

Das Umfeld jedenfalls ist von der aktuellen Entwicklung des TUSEM begeistert.

Krebietke:
Ja, es bewegt sich einiges hier. Das ist aber nicht erst seit dieser Saison so. Aber dafür haben wir auch viel gearbeitet und waren sehr aktiv an der Basis. Wir haben zahlreiche PR-Besuche in Schulen, in Handballcamps, in anderen Klubs gemacht und haben das Umfeld in Essen und im Umland überzeugen können. Unsere Zuschauerstruktur hat sich entsprechend verändert, und die Stimmung um den Verein herum ist hervorragend. Natürlich trägt der sportliche Erfolg und die Art und Weise wie sich die Jungs präsentieren auch maßgeblich dazu bei.

Ist die Frage absurd, ob der TUSEM wie früher künftig wieder in der Gugahalle spielen wird?

Krebietke:
Vorerst ja. Zunächst einmal ist es unser Ziel, die Halle „Am Hallo” richtig voll zu machen. Auch das erhöht für die Zuschauer den Reiz, zum TUSEM zu gehen. Der Dauerkartenverkauf läuft bislang sehr gut und gibt uns erst einmal recht. Das heißt nicht, dass wir nicht mal ein Topspiel auslagern, aber ich gehe davon aus, dass wir unsere Punkte eher „Am Hallo” holen werden.

Was ist eigentlich aus den ehemaligen TUSEM-Stars geworden? Sind die Teil des Projektes?

Krebietke:
Die Nähe ist da – zu Stefan Hecker, zu Frank Ahrens oder zu Peter Quarti. Die beiden Letztgenannten sind im Vorstand der Handballabteilung des TUSEM. Das ist eine Super-Zusammenarbeit mit der Gruppe, in der ja jeder ein Riesen-TUSEM-Herz hat. Und nicht zu vergessen Mark Dragunski, der hier im Klub Co-Trainer und Jugendkoordinator ist und außerdem mit seinem Bekanntheitsgrad im Revier häufig mit PR-Besuchen an der Basis aktiv ist.

Und Klaus Schorn? Kommt der langjährige Manager und Vater der TUSEM-Erfolge heute wieder zu den Heimspielen?

Krebietke:
Er verfolgt die Entwicklung des TUSEM sehr genau und ist mit dem Herzen dabei. Zuletzt habe ich ihn anlässlich des Geburtstages des langjährigen Mannschaftsverantwortlichen Rudi Weller getroffen. Wir können noch immer eine ganze Menge von ihm lernen. Aber er tut sich noch immer schwer, die Spiele des TUSEM zu besuchen.