Berufswunsch geht in Erfüllung Drucken E-Mail
31.05.12

Steinheim. Als André Kropp kürzlich durch seine alten Freundschaftsbücher blätterte, musste er schmunzeln. Darüber, was er als Berufswunsch angegeben hatte. Handball-Bundesliga-Spieler oder Polizist stand da in der krakeligen Schrift eines Grundschülers. Ab September geht einer der beiden Kinderwünsche in Erfüllung: Da startet der gebürtige Steinheimer mit dem TUSEM Essen in der Handball-Bundesliga.

 

"Als Kind hat man natürlich Träume", sagt der 27-Jährige. "Aber um die zu verwirklichen, braucht man ganz schön viel Fleiß und auch Glück." Bis zur ersten Liga war es ein langer Weg für den kräftigen Handballer.
Angefangen hat alles beim HC Steinheim. Da flitzte André Kropp schon mit drei Jahren über das Spielfeld. Sein Vater, Dieter Kropp, war damals Trainer der Steinheimer Mini-Mannschaft und begeisterte so auch seinen Sohn für den Sport. Bis zur C-Jugend blieb Kropp beim HCS, wechselte dann zur HSG Blomberg/Lippe und profitierte da von der hervorragenden Jugend-Arbeit des Vereins. Durch drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche verbesserte er sich schnell und der Schritt in die A-Jugend des TBV Lemgo war die logische Konsequenz.

Beim ostwestfälischen Spitzenclub kam André Kropp in Kontakt mit den ganz Großen des Handball-Sports. Denn wenn in der ersten Lemgoer Mannschaft Spieler verletzt waren, holten sie sich Ersatz aus der A-Jugend, um im Training mit sechs gegen sechs antreten zu können. Und schon war er drin, im Trainingsbetrieb der Handball-Profis. Bei Lemgo spielte der 1.90-Meter-große Kreisläufer hauptsächlich in der zweiten Mannschaft (Oberliga), trainierte aber weiterhin mit der ersten. Es folgten Stationen in Augustdorf, Ahlen und Saarlouis, bis er 2010 dem Zweitligisten TUSEM Essen zusagte, einem Handballverein mit viel Tradition, der in den 1980er Jahren auch drei Deutsche Meisterschaften errang.

Dort ist er seit eineinhalb Jahren Mannschaftskapitän und schaffte mit seiner Mannschaft nun souverän als Tabellenzweiter den Aufstieg. Kreisläufer Kropp, der durch eine Innenbanddehnung drei Saisonspiele ausfiel, erzielte in bisher 34 Partien 124 Tore (davon waren nur drei Tore nach Siebenmetern) und ist damit drittbester Torschütze bei TUSEM. Am Samstag findet in eigener Halle um 19.30 Uhr das letzte Saisonspiel gegen den SV Post Schwerin statt. Dann wird es in der Halle und am Sonntag auf dem Marktplatz auch eine große Aufstiegsparty geben. Und André Kropp, dessen Vertrag gerade erst um drei Jahre verlängert wurde, ist mittendrin.

Sieben Trainingseinheiten pro Woche sind das übliche Pensum in der Bundesliga. Das bedeutet in der Regel: Kein Tag ohne Handball. Neben dem Sport studiert der 27-Jährige in Münster BWL. Für später, wenn mit dem Handball mal Schluss ist.

Profi-Sport plus Studium - die meisten Menschen sind schon mit einem davon gut beschäftigt. Wie lässt sich das vereinbaren? "Wenn man will, schafft man das", erklärt er. "Es dauert nur etwas länger." Regelstudienzeit sind bei BWL sechs Semester, Kropp ist nun im achten, braucht aber noch zwei, drei weitere. Er wohnt in Essen und fährt für die Vorlesungen dann regelmäßig nach Münster.

Viel ändern wird sich daran auch in der ersten Liga nichts, glaubt er. Die Trainingsintensität sei in der ersten und zweiten Liga gleich, die Fahrten werden auch nicht länger. Was sich aber ändert ist, dass Kropp bald vor bis zu 10.000 Zuschauern seine Tore werfen wird. Gegen den THW Kiel in einer vollen Halle anzutreten ist schon eine ganz große Nummer. In Essen kamen durchschnittlich 2.500 Zuschauer zu den Heimspielen, "und das ist schon ein tolles Gefühl wenn man aus der Kabine kommt und alle klatschen und freuen sich", sagt Kropp. Ein bisschen Aufregung sei immer dabei, wenn er das Spielfeld vor einem Punktspiel betritt. "Aber es ist eine positive Nervosität. Handball ist ein sehr körperlicher Sport, da brauche ich diese Anspannung auch einfach", erklärt er.