TUSEM wieder auf dem Vormarsch - auch ohne Uli Hoeneß Drucken E-Mail
20.06.12

Aufsteiger Essen will bald wieder vorne mitspielen - ohne Katastrophen und teure Stars. Hat man aus der Vergangenheit gelernt?

München - Früher nannte man ihn gerne den "FC Bayern des Handballs".

Bei seiner Heimkehr in die Bundesliga möchte der Turn- und Sportverein Essen Margarethenhöhe nur noch eines sein: Der TuSEM Essen.

Ein Traditionsverein, der dreieinhalb Jahre nach der Insolvenz und dem Zwangsabstieg in die Bundesliga zurückkehrt und vor allem auf Dauer eines will: dort bleiben.

"Der Aufstieg ist eine schöne Momentaufnahme", sagte Geschäftsführer Niels Ellwanger der "WAZ". "Ziel ist, dass wir uns mittelfristig etablieren und irgendwann ins obere Drittel vorstoßen. Natürlich hoffen wir, die Klasse zu halten. Aber selbst ein Abstieg würde uns nicht von unserem Weg abbringen."

 

Glorreiche 80er und 90er

Früher war das alles mal anders - und die Ziele und Ambitionen wesentlich größer.

Damals, in den glorreichen Zeiten der 80er und 90er Jahre, streifte sich zeitweise fast die gesamte deutsche Nationalmannschaft das rot-weiße Vereinstrikot über.

Zum Meisterkader 1986 gehörten Spieler wie Stefan Hecker, Jochen Fraatz, Thomas Happe, Jörn-Uwe Lommel und der Isländer Alfred Gislason.

Insgesamt wurden drei deutsche Meistertitel (1986, 1987, 1989), drei Pokalsiege (1988, 1991, 1992) und drei Europapokalgewinne (1989, 1994, 2005) in Essen gefeiert.

 

Auch ein bisschen Hollywood

Und wie beim FC Bayern war auch immer ein bisschen FC Hollywood dabei.

Da ist zum Beispiel die Trennungsgeschichte mit Trainer Petre Ivanescu in der Hauptrolle. Der Rumäne bekam bereits im Januar mitgeteilt, dass er am Saisonende entlassen werde. Kurz nach der Trennung soll er TuSEM alle Pokale und Trophäen zurückgeschickt haben.

 

Kein Uli Hoeneß

Was Bayerns Fußballer vom vermeintlichen FCB des Handballs allerdings unterschied: Die Wurfspezialisten hatten keinen Uli Hoeneß - stattdessen folgten finanzielle Desaster.

Die traurigen Folgen sind schnell erzählt: Zur Saison 2005/2006 erhielt Essen nach 26 Jahren in der ersten Liga keine Lizenz mehr und stieg als EHF-Cup-Sieger in die Regionalliga ab.

Der TuSEM kämpfte sich in die Bundesliga zurück, musste aber wegen erneuter finanzieller Probleme 2008 Insolvenz anmelden und zwangsabsteigen.

 

Drei Neuzugänge für Essen

Rund 1,7 Millionen Euro will der Verein in der kommenden Saison ausgeben. 400.000 Euro mehr, als er im Vorjahr zur Verfügung hatte. Zum Vergleich: Ligaprimus THW Kiel plante die Meistersaison 2011/2012 mit 9,5 Millionen Euro.

Große Sprünge lassen sich bei der Kaderplanung also nicht machen. Drei Neuverpflichtungen waren bislang drin.

Rückraum-Akteur Fabian Böhm soll mit seiner Erstliga-Erfahrung mit dem Bergischen HC punkten, Kreisläufer Toon Leenders eine zentrale Rolle in der Abwehr spielen und im Angriff Andre Kropp entlasten.

Zudem kommt mit Allrounder David Breuer ein spielintelligenter Akteur, der "variabel von der Rechtsaußenposition bis zur Mitte einsetzbar ist", schwärmt der sportliche Leiter Stephan Krebietke.


"Setzen auf deutsche Spieler"

Der TuSEM hat aus Insolvenz und Zwangsabstiegen "gelernt", wie Trainer Maik Handschke zuletzt erklärte, teure Stars wie zu Beginn des neuen Jahrtausends wird es in Essen wohl nicht mehr geben.

"Wir setzen weiter auf deutsche Spieler, die wir weiterentwickeln", verspricht Handschke.

Die "Bayern"-Zeiten scheinen tatsächlich vorbei.

 

Von Katharina Blum