Aufbauhilfe West Drucken E-Mail
01.01.08
Der Tusem feiert mit dem 35:30 über Magdeburg seinen zweiten Heimsieg der Saison und verkürzt den Abstand zum rettenden Ufer auf drei Zähler. Aber weiterhin am Tabellenende. Torwart Gerrie Eijlers präsentiert sich nach schwachem Start in Gala-Form

HANDBALL-BUNDESLIGA DER LETZTE SPIELTAG IM KALENDERJAHR 2007 Tusem Magdeburg 35:30 (14:11) Tusem: Eijlers, Friedrich - Dragunski, Schmetz (8/5), Thoke, Klesniks (6), Schütte, Casanova (7), Katzirz (2), Schult, Vrany (3), Siniak, Schmidt (3), Dietrich (6).

Schiedsrichter: Heinz/Hock (Waiblingen). Zuschauer: 3100 (ausverkauft). Strafminuten: 8/12.

Spielfilm: 1:3 (6.), 4:3 (9.), 7:7 (13.), 8:9 (19.), 13:10 (28.), 14:11 (Halbzeit), 15:11 (31.), 15:13 (33.), 18:15 (37.), 23:17 (42.), 25:20 (48.), 28:22 (51.), 31:24 (54.), 35:30.
 
Heimsiege gab es für den Tusem in dieser Bundesliga-Saison erst einen einzigen zu bejubeln. Und zwar damals, am dritten Spieltag, beim Überraschungs-Coup gegen die Rhein-Neckar Löwen. Jetzt kam der SC Magdeburg. Und die Ostdeutschen leisteten unfreiwillig "Aufbauhilfe West".

Das 35:30 half den Essener Handballern, um den Rückstand zum rettenden Ufer auf ganze drei Pünktchen zu verkürzen. Weil aber fast alle anderen Keller-Konkurrenten auch gewannen, überwintert der Aufsteiger trotz des Sieges als Tabellenletzter - allerdings ein Letzter, der wieder Hoffnung aus jeder Pore verströmt.

Selbst im Hochleistungssport sind es manchmal Zufälle und Intuitionen, die entscheidenden Einfluss auf Sieg oder Niederlage haben. Beispiel gefällig? Nun, Gerrie Eijlers hatte einen recht schwachen Start erwischt. Der Tusem-Torwart spekulierte bei den Distanzwürfen des treffsicheren SCM-Griechen Alexandros Vasilakis - und entschied sich jedes Mal fürs falsche Eck. Hinzu kam Pech, als der Ball vom Innenpfosten gegen seinen Rücken prallte und von dort ins Tor trudelte.

Trainer Jens Pfänder liebäugelte bereits mit einem Torwart-Wechsel. Doch statt sofort Torsten Friedrich zu bringen, sagte er: "Einen hat er noch." Und den einen hielt Eijlers. Und den danach auch. Und insgesamt 23 (!) andere Würfe auch. Hätte Pfänders Bauch eine frühere Auswechslung empfohlen, wer weiß, welchen Verlauf diese Partie dann genommen hätte.

Bis zum 8:9 (19.) wirkte der Tusem fahrig, nervös, unaufmerksam. Erst als Pfänder den Innenblock der 6:0-Deckung umgestellt und Gunnar Dietrich gegen Vasilakis gestellt hatte, lief's besser. Endlich gewann die Abwehr an Stabilität, aufbauend auf einer nun überragenden Torwartleistung. Neben etlichen Paraden wehrte Eijlers sogar drei Siebenmeter ab. Damit weckte der Niederländer die randvoll gefüllte Halle am Hallo auf. Und in genau dieser grandiosen Atmosphäre hat es jeder Gegner schwer, zu bestehen.

Zu Beginn der zweiten Hälfte folgte die fast schon obligatorische Phase der Essener Schlafmützigkeit. Allerdings fiel diese nicht so lang und nicht so folgenschwer wie in manch anderen Heimspielen aus. Stattdessen zog der Tusem kurz darauf auf fünf Tore davon, um in der Folgezeit seine Angriffe geduldig vorzutragen. Im Gefühl, dass ihnen die Zeit wegläuft, verloren die Magdeburger ihrerseits die Ruhe und Gelassenheit. Und die daraus resultierenden Ballverluste nutzten die Gastgeber zu den entscheidenden Treffern.

Obwohl Mark Schmetz, der vom Siebenmeter-Punkt bei fünf Versuchen fehlerlos blieb, sowie der auf der Mitte überzeugende Sergio Ruiz Casanova öfter trafen, erntete Gunnar Dietrich für seine sechs Treffer den frenetischsten Jubel. Wahrscheinlich, weil viele Fans ihm solch eine Treff-Lust gar nicht zugetraut hatten. Sein Mumm, sein Mut, sein stetig steigendes Selbstbewusstsein - all das war bis in die letzte Tribünenreihe zu spüren. Drei Minuten vor Schluss stand auch der letzte Fan, um im Rhythmus der Trommeln mitzuklatschen. Das erleichternde Gefühl des nahenden Sieges zeigte sichtbar Wirkung. Schöner konnte das Tusem-Jahr kaum enden.

WAZ online